Multiresistente Keime in Badegewässern

 

Nach unserem langen Winter freue ich mich auf die wärmeren Tage im Frühling und natürlich auf den Sommer. Sommer bedeutet für mich „ganz viel draußen sein und im Lech baden“. An meiner Lieblingsbadestelle, nahe der Kauferinger Lechbrücke, fühle ich mich jedes Mal wie an der Chassesac, einem wunderschönen Fluss in Südfrankreich.

Im Februar diesen Jahres las ich eine Meldung, die mir mein diesjähriges Badevergnügen etwas trüben wird: Journalisten haben recherchiert, ob sich multiresistente Keime auch in Badegewässern finden lassen. Und ja, sie haben sie gefunden, leider nicht wenige und nicht ungefährliche. Dass in unseren Gewässern die Wirkstoffe von Anti-Babypillen zu finden sind, war ja schon länger bekannt. Aber jetzt die Meldung, dass auch multiresistente Keime im Oberflächenwasser und folglich auch irgendwann im Trinkwasser zu finden sind, halte ich doch für beunruhigend.

Wie gelangen die Keime dorthin?

Als Karlsruher Wissenschaftler eine Probe aus dem Abwassersystem der Uniklinik Freiburg nahmen, fanden sie neben Antibiotika-Rückständen und einem reichhaltigen Medikamenten-Cocktail auch Antibiotika-resistente Keime. Ihre Schlussfolgerung: Bei der Verbreitung von resistenten Bakterien und Medikamentenrückständen scheint Klinikabwasser eine wichtige Rolle zu spielen.

Kläranlagen können somit zum Umsteigebahnhof resistenter Keime aus dem Oberflächenwasser ins Trinkwasser werden. Das geklärte Wasser enthält zwar kaum noch Krankheitserreger, dafür aber zahlreiche „Wasser-Bakterien“, die Resistenzgene tragen. Aus Flüssen gelangen die Keime mit Resistenzgenen dann in das Trinkwasser. Zu 13 Prozent wird Wasser aus Seen, Talsperren oder Flüssen direkt genutzt. Dazu kommt, dass viele abgelaufene Medikamente in der Toilette entsorgt werden und so zu dieser Verunreinigung unseres Wassers noch beitragen.

Wer ist dafür die Qualität unseres Trinkwassers zuständig?

Es sind die Bundesländer. Im Wasserhaushaltsgesetz des Landes wird die Einleitung von Abwässern in natürliche Gewässer geregelt. Der § 57 WHG schreibt hierzu als Anforderungs-niveau zur Begrenzung der Schadstofffracht des Abwassers den Einsatz eines Verfahrens „nach dem Stand der Technik“ vor. Präzisiert wird dieser in der Abwasserverordnung (AbwV) mit den zugehörigen Anhängen.

Was ist zu tun?

Für Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamt ist klar: „Die großen Kläranlagen müssten mit einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet werden, um diese Keime, Antibiotika, aber auch andere Chemikalien, Mikroschadstoffe systematisch aus den Abwässern herauszuhalten. Das würde zu einem großen Teil gelingen.“ Damit würden immerhin fast 90% aller Abwässer erfasst werden. Die Kosten würden sich nach ihrer Aussage auf lediglich ca. 15-16€ pro Einwohner pro Jahr belaufen.

Bundesländer, Kommunen, Kläranlagenbetreiber, die Pharma-Branche müssen an einen Tisch, um ein Konzept zur Vorbeugung und Entfernung von problematischen Stoffen aus unseren Gewässern entwickeln. Konkret benötigen wir Handlungsstrategien für folgende Punkte:

* die Erweiterung der Liste der zu überprüfenden Stoffe,

* die Überprüfung der Grenzwerte,

* die Wiederaufnahme des abgeschafften Medikamentensammelsystem,

* die Aufrüstung der Kläranlagen mit zusätzliche Klärstufen.

Trotz der bisherigen Untätigkeit der Politik ist das Thema der multiresistenten Keime und darüber hinaus das der Verunreinigung unseres Wassers durch Mikroplastik bei Teilen der Forschung bereits angekommen: Seit einiger Zeit testet ein Spezialunternehmen in einem Pilotversuch in der kommunalen Kläranlage in Hünxe (Nordrhein-Westfalen) mit aussichtsreichen Testergebnissen ein neues Verfahren mit einer Kombination von Aktivkohle und getauchter Membranfiltration.

Was bleibt: eine sinnvolle Aufgabe für Herrn Söder und die Bayrische Staatsregierung.

Da kann er uns Bayern dann wirklich mal vor einer realen Gefahr schützen.

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