Reden wir über uns

 

Diese Woche gab es im Fernsehen die herrliche französische Komödie „Monsieur Claude  und seine Töchter“. M. Claude, ein sehr bourgeoiser Notar hat vier Töchter, und alle vier Frauen lieben Männer mit Migrationshintergrund: einen Algerier, einen Chinesen, einen Israeli und einen Afrikaner. Sehr gelungen und amüsant bedient dieser Film auf wunderbare Weise all unsere Vorurteile, weckt die kleineren und größeren Rassisten in uns.

Rassismus – ein großes, noch immer aktuelles Thema: Letzte Woche brachte der Radiosender B2 eine überaus passende Sendung zu M. Claudes Problem.  Die Redaktion von B2 hatte Prof. Susan Arndt von der Uni Bayreuth zu Gast.  Diese hat  ein kleines Büchlein über das große Thema des Rassismus veröffentlicht.

Sie referierte über Definitionen, geschichtliche Hintergründe und Auswirkungen und in Folge über den  Rassismus in unserem Alltag. Sie streifte die Antike mit der Sklavenhaltung, das 16./17.Jahrhundert mit der Kolonialisierung (kulturell und religiös begründeter Rassismus), das 19.Jahrhundert der Aufklärung, in welchem der biologisch begründete Begriff der „Rasse“ Einzug hielt. In den Nürnberger Rassengesetzen der Nazis, den Rassengesetzen in den US- Südstaaten und dem Apartheitsregime in Südafrika fand der biologisch begründete Begriff der Rasse in der Neuzeit seine grausame Anwendung.

Wer von uns weiß schon, dass  die UNSCO bereits 1995 jede biologische und soziologische Ableitung rasseähnlicher Kategorien ächtet? Die Ächtung wird wie folgt begründet:

  • Kriterien, anhand derer Rassen definiert werden, seien beliebig wählbar.
  • Die genetischen Unterschiede zwischen Menschen innerhalb einer „Rasse“ seien im Durchschnitt quantitativ größer als die genetischen Unterschiede zwischen verschiedenen „Rassen“.
  • Es bestehe kein Zusammenhang zwischen ausgeprägten Körpermerkmalen wie der Hautfarbe und anderen Eigenschaften wie Charakter oder Intelligenz.

„Wir sind alle „Homo sapiens“. Das war eine der beiden zentralen Aussagen von Prof. Susan Arndt in ihrem Radiobeitrag. Nach Arndts Meinung müsste folgerichtig im Deutschen Grundgesetz der Artikel 3 Absatz 3 geändert werden.  Eine Benachteiligung auf Grund der Rasse muss gestrichen werden, weil es keine menschlichen Rassen gibt.

Ich denke, das wäre ein feines Zeichen für die vielen neuen selbsternannten Herrenmenschen in unserem Land!

Die zweite zentrale Aussage von S. Arndt ist für mich, dass jeder Mensch ein Rassist ist und dass es absolut wichtig ist, dieses Denken/Verhalten an sich bewusst wahrzunehmen und darüber zu sprechen. Denn nur durch Thematisierung und öffentlichen Diskurs können wir die Mechanismen und Ausprägungen von rassistischem Verhalten ändern und Rassismus in Schranken weisen.

So wie der M. Claude,  der seine vielen Gemeinsamkeiten mit seinen Schwiegersöhnen und dem Schwiegervater seiner jüngsten Tochter entdeckt und somit seinen Frieden mit dem vermeintlich Anderen und Fremden macht.

Meine Quellen:

https://www.br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-forschung/rassismus-forschung-gerda-kuhn-im-gespraech-mit-professorin-susan-arndt/1025152

https://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=2023

https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus

 

 

 

 

 

 

 

 

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