Ein schlecht gemachter Film mit viel Wirkung

 

Letztens ergab sich bei mir glücklicherweise ein Zeitfenster, das ich sofort nutzte, wieder einmal eine Vorstellung des Landsberger Filmforums (www.filmforum-landsberg.de) zu besuchen. Das Programmkino zeigt im Stadttheater ausgewählte Filme weit ab vom Mainstream. Es wurde die umstrittene Dokumentation „Ausgewählt und ausgegrenzt“ gezeigt, mit anschließender Diskussion mit den anwesenden Autoren.

Da ich mich schon länger mit den Geschehnissen in unserer Region im Zusammenhang mit den KZ Außenlagern Kaufering aktiv auseinandersetze, war ich neugierig, wie der Film das Thema „Antisemitismus“ der heutigen Zeit auf die Leinwand bringt. Eins schon vorweg genommen, der Film ist schlecht gemacht: Zu viel einseitige Darstellung, unkommentierte falsche Behauptungen, Chance vertan. Dabei ist das Thema „Aktueller Antisemitismus in Deutschland/Europa“ eminent wichtig.

Im Zusammenhang mit diesem Film bin ich auf einen Beitrag von Mirna Funk in der Zeit http://www.zeit.de/freitext/2017/06/14/antisemitismus-dokumentation-funk/ gestoßen. Sie ist freie Autorin und lebt in Berlin und Tel Aviv und beschreibt eindrücklich eine ihrer antisemitischen Erfahrungen in Berlin. Zum Film selbst meint sie: „Propaganda. Nicht unwahr. Aber eben propagandistisch. Proisraelische Propaganda.“ In Israel gibt es nach ihren Ausführungen Rechte und Entrechtung, Toleranz und Rassismus, Altruismus und Egoismus wie in jedem anderen Land dieser Welt auch. Die einzig angemessene Form für sie, auf Israel zu reagieren, ist „ genau das zu sehen und nicht entweder zu behaupten, also die Juden müssten es ja besser wissen, weil Holocaust, oder die armen Juden und diese aggressiven Araber.“ Frau Funk hat es schließlich so auf den Punkt gebracht: „Juden sind wie ihr alle: ziemlich scheiße und ziemlich genial nämlich. Aber Juden mit zweierlei Maß zu messen, das ist Antisemitismus.“

Der schlechte Film mit dem so wichtigen Thema und der Beitrag von Mirna Funk beschäftigen mich noch immer: Wie oft tappe ich in die Falle, dass ich Israel und seine Bürger*innen mit zweierlei Maß beurteile? Wie oft bin ich in der Rechtfertigungsfalle, „das ist doch Kritik an der israelischen Politik, kein Antisemitismus?“

Und überhaupt: Kann ich als Deutsche, die das Leid der Juden durch den deutschen NS im Wohnort ständig vor Augen hat, das Land Israel und die Israelis ohne den Zusammenhang der Shoa sehen?

Ja, ich kann das. Zeit wird’s.

 

Verwandte Artikel